Zeitzeugen am Wegesrand

Ammerbucher Heimatforscher haben Kleindenkmäler neu entdeckt

2005_10_04

Tagblatt

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(zie)

 

.. Das Kriegerdenkmal beim Reustener Friedhof wird von ehrenamtlichen Ge
schichtsinteressierten saniert und umgestaltet. ..... __

Bild:Faden

 

Diana Holzer und ihre Mitstreiter stellen im Entringer Rathaus Ammerbucher Kleindenkmäler vor.

ENTRINGEN (zie). Unscheinbar sind die bemoosten Steine am Wegesrand, die verwitterten Tafeln an den Fassaden. Doch Freiwillige aus Ammerbuch haben die Kleindenkmäler gesichtet und dokumentiert. Das Ergebnis zeigt nun eine Ausstellung im Entringer Rathaus.

Im Abstand von 30 bis 70 Metern stehen die Grenzsteine im Hartwald zwischen Reusten und Altingen - Relikte aus dem Spätmittelalter und der Neuzeit. Doch nach dem Krieg war diese Form der Grenzziehung überholt. Die Bauern hatten die lästigen Sandsteine im Acker bald leid und entfernten sie. Im Hartwald störten sie nicht weiter. Zum Glück, sagt der Reustener Ortshistoriker Jürgen Parchem. Gemeinsam mit Roland Fakler hat er die 20 Steine entdeckt, den Standpunkt markiert, die Inschriften analysiert. So lässt sich heute noch die wechselnde Herrschaftsgeschichte von Reusten aufzeigen.

Auch Freiwillige der Nachbarorte haben sich auf die Suche nach steinernen Zeitzeugen begeben. Seit Frühjahr 2003 fahndet die "Projektgruppe Kleindenkmale Ammerbuch" nach alten Grabsteinen, Kriegerdenkmälern, Wegzeichen, Steinbrücken und vielem mehr. Diana Holzer, Vorsitzende des Förderkreises Heimatgeschichte, koordiniert die Gruppe von ehrenamtlichen Forschern, unterstützt vom Ammerbucher Heimat- und Wanderverein und dem Schwarzwaldverein. Am vergangenen Sonntag eröffneten die Heimatforscher eine Ausstellung im Entringer Rathaus, auf dem sich die Ammerbucher nun an 17 Schautafeln über die Geschichte der Flecken schlau machen können.

Eingebettet ist die Forschung in ein Projekt des Landesdenkmalamts. Jeder Fund wurde dokumentiert: Fundort, Maße, Inschrift und mehr sind auf den Erfassungsbögen notiert. "Ich finde, dass es für unsere Geschichte und Kultur wichtig ist, diese Kleindenkmäler zu bewahren", sagt Diana Holzer. Auch wenn die Heimatforscher schon einiges zusammengetragen haben: "Die Ar­beit geht natürlich weiter."

Daher bittet die Projektgruppe die Bürger, die Augen offen zu halten. Denn zum Einen liegen zum Beispiel umgestoßene Gedenk- oder Grenzsteine überwachsen im Gelände, zum Arideren hat mancher sich einen solchen Findling in den Garten gestellt. "Es soll keiner befürchten, dass er deswegen Probleme bekommt", sagt Diana Holzer. Auf juristischen Ärger seien sie nicht aus, wichtig sei allein die Dokumentation für die Nachwelt.

Menschen, die ihren Vorgarten unwissentlich mit einem Kleindenkmal ausschmücken, sind weniger das Problem als Sammler, die vorsätzlich absahnen. So geschah es beispielsweise 1987 mit dem Entringer Mädlesstein - ein Grenzstein, den auf der einen Seite die württembergisch-herzöglichen Hirschgeweihe, auf der anderen ein rundliches Gesicht zeigte. Unbekannte haben den Stein damals entwendet. Nun soll am kommenden Samstag eine Rekonstruktion aufgestellt werden - diesmal mit Betonsockel.

Pikantes am Rande: Die Teilgemeinde Breitenholz ist nicht in der Ausstellung vertreten. Diana Holzer hatte mehrfach versucht, dort Partner für das Projekt zu finden - vergebens. Wenn die Ausstellung sich nun in drei bis vier Wochen auf Wanderschaft durch die Teilorte macht, so wird sie wohl nicht in Breitenholz gastieren. "Das ist schade, denn es sieht nicht gut aus, wenn sich Breitenholz aus der Sache herauszieht", kritisiert Diana Holzer.